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Im Mittelpunkt der systemischen Theorie stehen "soziale Systeme". Dies sind zum Beispiel die Mitglieder einer Familie wie Vater, Mutter und Kinder; bei Heimkindern sind es die leiblichen Eltern und die Erzieher, bei Erwachsenen der Lebensgefährte (1). Die systemische Theorie achtet auf die Mitglieder eines Systems und auf den Kontext, das bedeutet: die Lebenssituation, den Alltag und die Rahmenbedingungen, in denen die Familie lebt. Ihr Interesse gilt den zwischenmenschlichen Beziehungen. Das, was zwischen den Beteiligten geschieht und wie sie miteinander umgehen, wird genau untersucht.

Die Therapieform ist auch bekannt unter dem (veralteten) Begriff "Familientherapie". Die Methode entstand, als Kinder- und Jugendpsychiater erkannten, dass Symptome bei Kindern, wie z.B. Bettnässen oder Stottern, häufig nur kurzzeitig nach einer Therapie verschwanden, dann aber im Kreis der Familie oft ein neues Problem auftauchte oder ein anderes Familienmitglied erkrankte. Die Therapeuten begannen, Eltern und Geschwister zu den Therapiesitzungen einzuladen und die Therapie mit der ganzen Familie zu führen. Es zeigte sich, dass Symptome und Probleme dauerhafter verschwanden und Rückfälle seltener wurden.

Die Begriffe "Beratung" und "Therapie" werden in der Zielsetzung unterschieden. Während bei der Therapie meist eine Erkrankung und somit die "Heilung" im Mittelpunkt steht, geht es in der Beratung vielmehr um ungeklärte Situationen, um anhaltende Konflikte oder offene Fragen, die die Betroffenen mit Hilfe der Beratung klären möchten. Dies ist die fachliche Unterscheidung. Sie ist für manche Interessierte von Bedeutung, andere finden sie unverständlich. Vielleicht ist es Ihnen wichtig, keine Diagnose und damit das Etikett "krank" zu bekommen. Vielleicht aber glauben Sie auch, dass Therapie "mehr Wert besitzt" als Beratung, dass sie gründlicher, tiefgreifender und erfolgreicher ist. Wie auch immer, bei meiner Arbeit mache ich keinen Unterschied zwischen Therapie und Beratung. Ich bevorzuge allerdings den Begriff "Beratung": Bei "Therapie" denken viele Menschen an einen schweren, ernsten Prozess. Und wenn das Problem vielleicht schon schwer und ernst ist, sollten Unterstützung und Hilfe das nicht auch noch sein.
10.09.2009

(1) Zur besseren Lesbarkeit habe ich mich für die herkömmliche männliche Schreibweise entschlossen. Frauen sind selbstverständlich auch angesprochen.